Therapiemöglich­keiten bei einem veränderten EGFR-Status

Ein veränderter EGFR-Status, insbesondere aktivierende Mutationen wie die Exon-19-Deletion oder die Punktmutation L858R, ermöglicht den Einsatz zielgerichteter Therapien mit Tyrosinkinase-Inhibitoren (TKIs). Diese haben sich in der Behandlung des nicht-kleinzelligen Lungenkarzinoms (NSCLC) als hochwirksam erwiesen und sind fester Bestandteil der aktuellen onkologischen Leitlinien.1,2 Je nach Krankheitsstadium, Art der Mutation und Resistenzprofil stehen heute mehrere Generationen von TKIs zur Verfügung.3–10

EGFR-TKI: Standardtherapie mit nachweislichem Überlebensvorteil bei EGFR-mutiertem NSCLC

Die Identifikation aktivierender Mutationen im EGFR-Gen hat die Therapie des NSCLC grundlegend verändert. Im Vergleich zur platinbasierten Chemotherapie bieten TKIs bei Patient:innen mit EGFR-mutierten Tumoren bedeutende Vorteile hinsichtlich des progressionsfreien Überlebens sowie ein günstigeres Nebenwirkungsprofil.3,4,11–14

Studien belegten zudem ein signifikant verlängertes medianes Gesamtüberleben (OS) unter TKI-Therapie im Vergleich zu Patient:innen mit EGFR-mutierten Tumoren, die keine zielgerichtete Behandlung erhalten.15 Die Überlebensvorteile lassen sich auch in Subgruppenanalysen nachvollziehen: So wiesen Patient:innen mit Tumoren, die eine Exon-19-Deletion tragen, unter einem TKI der ersten Generation ein längeres medianes OS auf als solche mit der L858R-Punktmutation. Auch bei Patient:innen mit Hirnmetastasen zeigte sich ein Überlebensvorteil, insbesondere bei Vorliegen einer Exon-19-Deletion.16 Darüber hinaus wurde unter TKI-Therapie ein reduziertes Rezidivrisiko beschrieben.17

Die molekulare EGFR-Mutationstestung ist aus diesem Grund heute ein in den Leitlinien verankerter Standard in der Diagnostik des fortgeschrittenen NSCLC. Bei Nachweis einer aktivierenden EGFR-Mutation soll in der Erstlinientherapie bevorzugt ein EGFR-TKI eingesetzt werden – entweder als Monotherapie oder in Kombination mit einem VEGF-Inhibitor bzw. einer platinhaltigen Chemotherapie –, bevor andere Substanzklassen wie Immuncheckpoint-Inhibitoren in Betracht gezogen werden.1,2

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Fortschritt in Stufen: Entwicklung und Einsatzbereiche der EGFR-TKI

Derzeit stehen drei Generationen von EGFR-TKI zur Verfügung. Die Wirksamkeit dieser Substanzen variiert in Abhängigkeit vom jeweiligen EGFR-Mutationsstatus.

EGFR-TKI der 1. und 2. Generation zeigen therapeutische Effektivität bei klassischen aktivierenden Mutationen wie Exon-19-Deletionen, L858R-Substitutionen sowie bei bestimmten seltenen Mutationen der Gruppe I (UC1-Mutationen).2

EGFR-TKI der 3. Generation decken das gesamte Wirkspektrum der vorangegangenen Generationen ab und sind darüber hinaus auch wirksam bei T790M-Resistenzmutation, bei seltenen Mutationen der Gruppe II (UC2) sowie bei kombinierten Mutationen mit T790M.2–10,12–14,18

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Wirksamkeit der EGFR-TKI (mod. nach Mok TS et al 20093, Sequist LV et al. 20134, Yang JC et al. 20155, Soria J et al. 20186, Igawa S et al. 20147, Rosell R et al. 20128, Tu H et al. 20179, Maemondo M et al. 201010, Wu Y et al. 201412, Wu Y et al. 201713, Planchard D et al. 202314)

Darüber hinaus befinden sich derzeit TKI der vierten Generation in klinischer Entwicklung. Diese wurden gezielt zur Überwindung bekannter Resistenzmechanismen entwickelt. Ihre Wirksamkeit wird aktuell in klinischen Studien untersucht; eine Zulassung liegt bislang nicht vor.19-22

Abkürzungen

Del 19: Deletion im Exon 19; EGFR: epidermaler Wachstumsfaktor-Rezeptor (Gen); OS: Gesamtüberleben; NSCLC: nicht-kleinzelliges Lungenkarzinom; PFS: progressionsfreies Überleben; TKI: Tyrosinkinase-Inhibitor; UC: uncommon mutations; VEGF: vaskulärer endothelialer Wachstumsfaktor

  1. S3-Leitlinie Prävention, Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Lungenkarzinoms. Version 4.0, April 2025. Verfügbar unter register.awmf.org/assets/guidelines/020-007OLl_S3_Praevention-Diagnostik-Therapie-Nachsorge-Lungenkarzinom_2025-04.pdf. Letzter Zugriff: Februar 2026.
  2. onkopedia Leitlinie Lungenkarzinom, nichtkleinzellig (NSCLC); April 2025. Verfügbar unter www.onkopedia.com/de/onkopedia/guidelines/lungenkarzinom-nicht-kleinzellig-nsclc/@@guideline/html/index.html. Letzter Zugriff: Februar 2026.
  3. Mok TS, et al. N Engl J Med 2009;361(10):947-57.
  4. Sequist LV, et al.  J Clin Oncol 2013;31(27):3327-34.
  5. Yang JC-H, et al. Lancet Oncol 2015l;16(7):830-8.
  6. Soria J-C, et al. N Engl J Med 2018;378(2):113-125.
  7. Igawa S, et al.  Oncology 2014;87(4):215-23.
  8. Rosell R, et al. Lancet Oncol 2012;13(3):239-46.
  9. Tu H-Y, et al. Lung Cancer 2017:114:96-102.
  10. Maemondo M, et al. N Engl J Med 2010;362(25):2380-8.
  11. Zhou C, et al. Lancet Oncol 2011;12(8):735-42.
  12. Wu Y-L, et al. Lancet Oncol 2014;15(2):213-22.
  13. Wu Y-L, et al. Lancet Oncol 2017;18(11):1454-66.
  14. Planchard D, et al.  N Engl J Med 2023;389(21):1935-1948.
  15. Yu X, et al. Cancer Med 2023;12(5):5630-5638.
  16. Gijtenbeek RGP, et al. Lancet Reg Health Eur 2023;27:100592.
  17. Herbst RS, et al. J Clin Oncol 2023;41(10):1830-40.
  18. Wu Y-L, et al. J Clin Oncol 2018;36(26):2702-9.
  19. Spigel D, et al. Mol Cancer Ther 2021;20(12_Supplement):P230-P230.
  20. Lim SM, et al. Ann Oncol 2021;32:S1035.
  21. Liu X, et al. Cancer Res 2019;79:1320.
  22. Chhouri H, et al. Cancers (Basel) 2023;15:504.

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IB-Nummer: DE-91720/02-26

Gültig bis: 16.02.2028