EGFR-Diagnostik allgemein

Die Diagnostik von Mutationen im Epidermal Growth Factor Receptor (EGFR) ist heute ein integraler Bestandteil der molekularen Pathologie und beeinflusst maßgeblich die Therapieentscheidungen bei verschiedenen Tumorentitäten.1,2

Grundprinzipien der EGFR-Testung

EGFR ist ein Transmembranrezeptor, dessen Aktivierung wesentliche Signalwege steuert, die Zellproliferation, Überleben und Differenzierung beeinflussen. Mutationen im EGFR-Gen können zur konstitutiven Aktivierung des Rezeptors führen und sind therapeutisch bedeutsam.1–3

Die Bestimmung des EGFR-Mutationsstatus dient beispielsweise beim nicht-kleinzelligen Lungenkarzinom (NSCLC) primär dazu, Patient:innen zu identifizieren, die für eine zielgerichtete Therapie mit einem EGFR-Tyrosinkinase-Inhibitor (TKI) in Frage kommen. Zudem kann das Testen auch bei Progression unter TKI-Therapie zur Detektion von Resistenzmutationen wie T790M eingesetzt werden.2,4

Präanalytik und Probenanforderungen

Für die molekulare Testung werden in der Regel formalinfixierte, paraffineingebettete (FFPE) Gewebeproben bevorzugt, aber auch frische, gefrorene oder alkohol-fixierte Gewebeproben sind geeignet. Zytologische Proben (z. B. Zellblöcke) können ebenfalls genutzt werden, wobei eine ausreichende Tumorzellanzahl und -qualität für valide Ergebnisse entscheidend ist.5,6
Auch Blutproben können im Fall von unzureichendem Gewebematerial zur Analyse mittels Liquid Biopsy herangezogen werden.7,8 Hierfür ist in der Regel ein Volumen von 5–10 ml erforderlich, um zirkulierende Tumor-DNA (ctDNA) zuverlässig nachweisen zu können.

Ein ausreichender Anteil an Tumorzellen im Untersuchungsmaterial ist entscheidend, um Mutationen mit hoher Sensitivität nachweisen zu können. Für Einzelgen-Analysen des EGFR-Status wird in der Regel ein Tumorzellgehalt von mindestens 10 % gefordert.9 Moderne Verfahren ermöglichen jedoch auch den Nachweis von Mutationen bei geringerem Tumorzellanteil (< 10 %).5,6 Bei zytologischen Proben gilt zusätzlich eine absolute Tumorzellzahl von etwa 100–300 Zellen als erforderlich, um verlässliche Ergebnisse zu erzielen.10

Nachweisverfahren

Die gebräuchlichsten Verfahren sind Next-Generation-Sequencing (NGS), PCR-basierte Methoden (z. B. Real-Time PCR, digitale PCR) und – eher selten – die Sanger-Sequenzierung. NGS bietet eine hohe Sensitivität und ermöglicht gleichzeitig die Untersuchung auf mehrere, auch unbekannte molekulare Marker.9

Beim NSCLC werden immunhistochemische Methoden zur Bestimmung der EGFR-Überexpression sowie FISH für die EGFR-Kopienzahl ausdrücklich nicht empfohlen.6
Die eingesetzten Antikörper in der IHC zeigten keine ausreichende Sensitivität gegenüber unterschiedlichen EGFR-Mutationen und erlauben daher keine verlässliche Aussage über das Vorliegen einer therapierelevanten Mutation.11

Bei anderen Tumorentitäten wie dem kutanen Plattenepithelkarzinom oder dem Glioblastom können hingegen ISH- bzw. FISH-basierte Verfahren zur EGFR-Diagnostik sinnvoll eingesetzt werden.12

Vor dem Hintergrund der Limitationen einzelner Methoden (Sensitivität, Probenqualität, Probenmaterialverfügbarkeit) kann eine Absicherung durch zwei verschiedene Nachweisverfahren (Two-Tier-Ansatz) sinnvoll sein.13

Abkürzungen

EGFR: epidermaler Wachstumsfaktor-Rezeptor (Gen); EGFR: epidermaler Wachstumsfaktor-Rezeptor (Protein); FFPE: formalinfixiert und paraffineingebettet; FISH: Fluoreszenz-in-situ-Hybridisierung; IHC: Immunohistochemie; ISH: In-situ-Hybridisierung; NGS: Next-Generation-Sequencing; NSCLC: nicht-kleinzelliges Lungenkarzinom; PCR: Polymerase-Kettenreaktion; TKI: Tyrosinkinase-Inhibitor

  1. Sabbah DA, et al. Curr Top Med Chem 2020;20(10):815–34.
  2. Murphrey MB, et al. StatPearls [Internet]; 2023. Verfügbar unter ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK482459/. Letzter Zugriff: September 2025.
  3. Wee P, et al. Cancers (Basel) 2017;9(5):52.
  4. Han Y, et al. Oncologist 2017;22(11):1325–32.
  5. Lindeman NI, et al. J Mol Diagn 2013;15(4):415–53.
  6. Lindeman NI, et al. J Thorac Oncol 2018;13(3):323–58.
  7. onkopedia Leitlinie Lungenkarzinom, nichtkleinzellig (NSCLC); April 2025. Verfügbar unter onkopedia.com/de/onkopedia/guidelines/lungenkarzinom-nicht-kleinzellig-nsclc/@@guideline/html/index.html. Letzter Zugriff: September 2025.
  8. S3-Leitlinie Prävention, Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Lungenkarzinoms. Version 4.0, April 2025. Verfügbar unter awmf.org/assets/guidelines/020-007OLl_S3_Praevention-Diagnostik-Therapie-Nachsorge-Lungenkarzinom_2025-04.pdf. Letzter Zugriff: September 2025.
  9. Hofman P, et al. ESMO Open 2023;8(5):101628.
  10. Zimmer C. Trillium Diagnostik 2017;15(2):104-105.
  11. Bondgaard A-L, et al. Mod Pathol 2014;27(12):1590–8.
  12. El-Deiry WS, et al. CA Cancer J Clin 2019;69(4):305–43.
  13. Lewandowska MA, et al. PLoS ONE 2015;10(2):e0117983.

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IB-Nummer: DE-89606/11-25

Gültig bis: 25.11.2027