LUNG - Präzise identifizieren, passgenau therapieren.

Gewinnung von Tumor-DNA

Tumor-DNA kann aus Tumorgewebe (Gewebe-Biopsie) oder aus Blut („Liquid Biopsy“) gewonnen werden, wo sie als zellfreie zirkulierende Tumor-DNA (circulating tumour DNA, ctDNA) vorliegt. Jede Methode hat ihre spezifischen Vor- und Nachteile. Die einfachere Probengewinnung aus Blut geht aufgrund der geringeren Menge an DNA mit einer geringeren Sensitivität einher. Diese weist allerdings eine sehr hohe Spezifität auf, wie die Erfahrungen mit dem Nachweis von EGFR-Mutationen anhand von ctDNA gezeigt hat, so dass man sich auf einen positiven Nachweis verlassen kann.1–3 Die oft schwierige Probengewinnung aus Tumorgewebe weist dagegen bei der Analyse eine sehr hohe Sensitivität auf. Doch ist es aufgrund der Heterogenität des Tumors oder aufgrund der Lokalisation oft nicht möglich, eine adäquate Probe zu gewinnen, die tatsächlich einem aktiven Tumorherd entstammt.

Gewebe als Analysematerial

Für die Gewinnung einer Gewebebiopsie eignet sich z.B. eine Stanzbiopsie oder Bronchoskopie, durch die Gewebe des Primärtumors, der Lymphknoten oder einer Metastase gewonnen werden kann.

Blut als Analysematerial

Im Blut kann die aus Tumorzellen freigesetzte ctDNA nachgewiesen werden. Für die Stabilisierung von Vollblut gibt es inzwischen spezielle Röhrchen, die die Handhabung und den Transport ins Labor deutlich vereinfachen.

Prinzip der komplementären Testung

Der komplementäre Einsatz der klassischen Gewebebiopsie sowie der Liquid Biopsy maximiert die Nachweissicherheit: im Idealfall sollten Gewebebiopsien und eine Liquid Biopsy für den Nachweis der T790M-Mutation gewonnen werden. Bei Nachweis der T790M-Mutation kann die molekularpathologische Analyse beendet werden. Wird jedoch keine T790M-Mutation gefunden, folgt im zweiten Schritt die Untersuchung der alternativen Probe. Auf diese Weise kann die Nachweisrate im Vergleich zur Einzelanalyse (nur Gewebe oder nur Liquid Biopsy) erheblich gesteigert werden.

Probenquellen für die EGFR Mutationsanalyse

Abb 1: Prinzip der komplementären Testung4

X
Quellen:

1 Goto, K et al. Journal of Thoracic Oncology 2012; 7: 115–121.
2 Yung, TK et al. Clinical Cancer Research 2009; 15: 2076–2084.
3 Aung, KL et al. The HUGO Journal 2010; 4: 11–21.
4 Modifiziert nach Jung A und Kirchner T. Dtsch Ärztebl Int 2018; 115: 169–174.