Probengewinnung für eine BRCA-Testung

Bei BRCA-Mutationen handelt es sich entweder um Keimbahnmutationen oder um somatische Mutationen (Mutationen im Tumorgewebe).1,2
BRCA-Untersuchungen zur Therapieplanung können sowohl an Tumorgewebe als auch am Blut durchgeführt werden. Zur Abschätzung des Erkrankungsrisikos ist eine Keimbahnanalyse notwendig. Diese kann durch eine Blutprobe erfolgen.

BRCA-Mutationen können Keimbahnmutationen oder somatische Mutationen seinAbb. 1: BRCA-Mutationen können Keimbahnmutationen oder somatische Mutationen sein

Tumor und Blut als Probenquellen für die BRCA-Diagnostik3–7

Tumorprobe

Tumor

  • Die Entnahme von Tumorproben erfolgt durch einen invasiven Eingriff, meist durch eine Operation.3,4
  • Tumorproben sind allgemein formalinfixiert und in Paraffin eingebettet (FFPE) oder schockgefroren.3,4
  • Die Praktikabilität der BRCA-Testung von extrahierter DNA aus FFPE-Proben von Ovarial- und Mammakarzinomgewebe wurde nachgewiesen.5

Blutprobe

Blut

  • Die Probengewinnung für eine Keimbahntestung ist in den meisten Fällen eine Blutprobe (10 ml in EDTA-Antikoagulans).6
  • Proben für die Keimbahntestung werden gewöhnlich bei Raumtemperatur zum Labor transportiert.

BRCA-Keimbahn- und -Tumortestung: Warum sind beide Verfahren sinnvoll?

Trotz hoher Diagnostikstandards sind beide Testverfahren mit Vor- und Nachteilen behaftet. Bei der Keimbahntestung können reproduzierbar erbliche pathogene Mutationen in den BRCA-Genen von Ovarial- und Mammakarzinom identifiziert werden. Allerdings bleiben bei der alleinigen Keimbahntestung die im Tumor neu entstandenen somatischen BRCA-Mutationen unberücksichtigt, die ggf. für die Therapiewahl relevant sein könnten.
Bei der alleinigen Analyse von DNA aus fixiertem Tumorgewebe können zwar somatische Mutationen, jedoch nicht alle BRCA-Keimbahnmutationen nachgewiesen werden, sodass auch hier für die Therapiewahl potentiell relevante Mutationen unentdeckt bleiben können. Zudem kann bei der alleinigen Tumortestung nicht sicher zwischen Keimbahnmutation und somatischer Mutation unterschieden werden – insbesondere diese Information ist für die betroffenen Familien jedoch von enormer Bedeutung.8
Beide Testverfahren sind daher komplementär und erfordern eine interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen den Fachbereichen Humangenetik bzw. Konsortialzentren für Familiären Brust- und Eierstockkrebs und Pathologie, um eine optimale Versorgung der Patientinnen und deren Familien zu gewährleisten.9

Strategien zur Bestimmung des BRCA-MutationsstatusAbb. 2: Strategien zur Bestimmung des BRCA-Mutationsstatus10. Am Beispiel des Ovarialkarzinoms

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Quellen:

1 National Cancer Institute. http://www.cancer.gov/dictionary?cdrid=46384. (Letzter Zugriff: 10.07.2019).
2 Vergote I et al. Euro J Cancer 2016; 69: 127–134.
3 Bourgon R et al. Clin Cancer Res 2014; 20: 2080–2091.
4 Meldrum C et al. Clin Biochem Rev 2011; 32: 177–195.
5 Ellison G et al. BMC Clinical Pathology 2015; 15(5). https://doi.org/10.1186/s12907-015-0004-6.
6 National Centre for Medical Genetics. Familial breast/ovarian cancer. Erhältlich unter: http://www.genetics.ie/molecular/familial-breast-cancer/. (Letzter Zugriff: 10.07.2019).
7 Cox WP. BRCA sample collection. Erhältlich unter: http://nursing.advanceweb.com/Continuing-Education/CE-Articles/BRCASampl.... (Letzter Zugriff: 10.07.2019).
8 HahnenE et al. Dtsch Arztebl 2016; 113(45): A-2028/B-1700/C-1682.
9 Loser H et al. Pathologe 2017; 38: 117–126.
10 Hauke J et al. J Med Genet 2019 Apr 12. pii: jmedgenet-2018-105930.